Es gibt wieder eine neue „Hier & Jetzt – Open Web“ Folge! Wir sprechen über Mastodon, ActivityPub und meine WordPress Plugins 🙂

Matthias Pfefferle und Marcel Weiß sprechen über den Erfolg von Mastodon, das extrem wichtige ActivityPub-Protokoll und die Herausforderungen dezentraler Netzwerke, die zum Teil denen sehr ähneln, die wir von Twitter und co. kennen aber auch neue Aspekte haben.

Viel Spaß beim hören!

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Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere kurz POSSE ist ein zentraler Building Block des IndieWeb.

POSSE is an abbreviation for Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere, a content publishing model that starts with posting content on your own domain first, then syndicating out copies to 3rd party services with permashortlinks back to the original on your site.

https://indieweb.org/POSSE

Die Idee: Alles (Texte, Bilder, Podcasts, Videos, …) zuerst auf der eigenen Seite veröffentlichen und dann „Kopien“ über die sozielen Netzwerke teilen.

Vor ungefär 6 Jahren schrieb der hackr folgendes über POSSE:

das indieweb differenziert nicht in ‚text‘ der tatsächlich indiewertig ist und text, der im driveby entsteht und jeweils einer ganz konkreten logik entspricht. (das sozial dysfunktionale verhalten wäre, dass syndizierer auf den jeweiligen plattformen eher als spammer / bzw. eben genau als lästige syndizierer wahrgenommen werden, die die jeweilige plattform weder verstehen, noch die spezifität berücksichtigen, noch sich darum kümmern und nur gwm ‚melken‘ wollen)

hackr

Zusammengefasst: Die syndizierten Posts werden durch POSSE aus dem Kontext gerissen und könn(t)en dadurch in den entsprechenden sozialen Netzwerken nicht richtig eingeordnet werden.

Damals habe ich noch stark dagegen argumentiert:

Es geht eben nicht darum ein(en) Text/Bild/Video in so viele Netzwerke wie möglich zu streuen, sondern genau umgekehrt… Man schreibt den Text den man beispielsweise sonst explizit auf Twitter geschrieben hätte eben nicht auf Twitter sondern auf seiner eigenen Seite und pushed ihn danach in das Netzwerk um die Kontrolle über seinen und eine Kopie von seinem Text zu behalten.

ich

Es geht eben nicht um das syndizieren an sich, sondern um das „twittern/facebooken/… über die eigene Seite“.

guter punkt, nur stelle ich gwm. das vorhandensein eines tweets ausserhalb von twitter selbst in frage.

hackr

Durch Zufall hab ich mich vor ein paar Wochen an die Diskussion erinnert…

Es fehlt letztendlich nicht der Kontext auf Twitter & Co. sondern auf der „eigenen“ Webseite. Immer mehr Blogger in meinem direkten Umfeld POSSEen, aber nur die Wenigsten trennen diese Posts von ihren klassischen Artikeln. Das heißt in meinem Feed-Reader tauchen immer mehr zusammenhanglose Kurznachrichten, teilweise direkte Antworten auf tweets oder sogar Issues für GitHub Projekte auf.

Im Prinzip ist es egal, wie man es dreht… durch das syndizieren geht der Kontext verloren und der hackr hatte damals doch recht 😉

Zusammen mit dem „microbloggen über die eigene Webseite“ wird POSSE zu einem echten Problem in meinem Feed-Reader 🙁

Dieses Mal sprechen Marcel und ich über ID4me, Tumblr, Mastodon und GitHub Sponsors.

In der dritten Ausgabe unseres Open-Web-Podcasts sprechen Matthias Pfefferle und Marcel Weiß über Github Sponsors, eine Art Patreon für Open-Source-Entwickler, und was die Übernahme von Tumblr durch die WordPress-Mutter Auttomatic für das Open Web bedeuten kann.

Außerdem: Mastodon wechselt zu ActivityPub und ID4me.

Viel Spaß beim Hören!

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Schon seit der ersten Version von Mastodon wollte ich eine Lobeshymne auf OStatus schreiben! Sowas wie „OStatus hat auch nach über 6 Jahren an Relevanz nicht verloren“ oder „selbst nach 6 Jahren, setzen neue Plattformen mit Erfolg auf OStatus“ oder „mein 6 Jahre altes OStatus WordPress Plugin funktioniert mit nur wenigen Anpassungen auch mit Mastodon„…

Das kann ich mir jetzt leider sparen. Eugen Rochko, der Gründer von Mastodon, schrieb schon 2018:

I can’t wait until I can begin removing OStatus-related code from Mastodon. I think GNU social is the last remaining fediverse project that hasn’t yet switched to ActivityPub?

Eugen Rochko auf Mastodon

Über Patreon hat er seinen Plan jetzt nochmal konkretisiert:

[…] OStatus […] has overstayed its welcome in the code […] and now that most of the network uses ActivityPub, it’s time for it to go.

Eugen Rochko auf Patreon

…und der Pull-Request, der PubSubHubbub und Salmon ausbaut, wurde am 6. Juli ge-merged.

🙁

Wie geht’s weiter?

OStatus war wegweisend! Statt ein komplett neues Protokoll zu beschreiben, hat OStatus bestehende De-Facto-Standards in einer Spezifikation zusammen geführt. Für viele Plattformen, war es dadurch relativ einfach, OStatus einzusetzen, da sie in der Regel Teile der Spezifikation sowieso schon betrieben.

Protokoll-Übersicht von the-federation.info (Stand: 23. Juli 2019)

In den letzten Jahren habe ich aber gelernt, nicht zu sehr an Standards, Protokollen oder Technologien fest zu halten. OStatus wurde von ActivityPub eingeholt und aktuell ist GNU.social die einzige Plattform die ausschließlich auf OStatus setzt.

Zeit los zu lassen.

Ist ActivityPub die Zukunft?

Wie gerade schon geschrieben, ist es mir prinzipiell egal, welches Format sich durchsetzen wird. Mir ist nur wichtig dass sich ein Protokoll durchsetzt. Der Trend scheint zwar zu ActivityPub zu gehen… aber wer weiß?!?

Diaspora sieht bisher jedenfalls keinen Grund ActivityPub einzusetzen:

ActivityPub tries to work for everything and everyone. And because of that, they introduced a lot of flexibility and, sadly, a lot of ambiguity. Even though they tried, I found some reasons as for why we, as diaspora* developers, would not be able to build upon this new protocol without using heavily customized objects and activities.

Dennis Schubert in „ActivityPub – one protocol to rule them all?“

und vor ein paar Wochen habe ich außerdem gelesen, dass HubZilla versucht sein Protokoll Zot zu standardisieren:

Join the efforts to standardize the Zot protocol, currently used in Hubzilla and Zap platforms. This is a community initiative to push Zot adoption for federated social web.

fediverse.party

Ich bin gespannt!

— via wedistribute.org