indiewebcamp-logoIndieWeb? Schon wieder so ein hippes Buzzword-Dingens wie DataPortability, Synaptic oder Federated Social Web? Naja, irgendwie schon aber irgendwie auch nicht… 😉

Seit dem ich das Internet fĂŒr mich entdeckt habe hatte ich meine eigene Webseite… Von den ersten Frontpage (das hĂ€tte ich vielleicht besser verschweigen sollen) Versuchen auf Geocities mit Kostenlos-Domain-Weiterleitung (wer kennt noch kickme.to?), zum eigenen Webspace und Homesite, zu ersten PHP Erfahrungen und phpNuke, zu diversen Webseiten und Blogs und letztendlich auch zu meinem Beruf. Darum tue ich mich besonders schwer, Inhalte auf Facebook und Co. zu teilen/schreiben, wenn ich sie doch auch auf meiner eigenen Seite veröffentlichen könnte. Außerdem scheint sich meine Generation (oder vielleicht auch nur mein Freundeskreis) nicht sonderlich fĂŒr Social Networks zu interessieren und man trifft sich lieber oder telefoniert.

Damit stecke ich natĂŒrlich in einer ZwickmĂŒhle… Einerseits interessiert mich Facebook nicht sonderlich, andererseits bringen Social Networks aber eine Menge Reichweite… und so ist mein Faible fĂŒr DataPortability, DiSo oder dem Federated Social Web entstanden… Ich will weiterhin der Herr meiner Ideen und Texte bleiben aber schĂ€tze die Reichweite und die höhere Dialogbereitschaft von Twitter und Co. sehr.

Bisher hatten alle Bewegungen aber ein großes Problem: Sie hĂ€tten nur funktioniert wenn Google, Twitter und Facebook sich angeschlossen und ne Menge hippe „Standards“ eingebaut hĂ€tten. Das ist wohl auch der Grund weshalb man von vielen Projekten schon lange nichts mehr gehört hat. Das IndieWeb Credo spricht mir dagegen aus der Seele:

We should all own the content we’re creating, rather than just posting to third-party content silos.
Publish on your own domain, and syndicate out to silos.

Das IndieWebCamp findet in unregelmĂ€ĂŸigen abstĂ€nden statt und beschĂ€ftigt sich ausschließlich damit, wie man der Herr seiner Artikel/Tweets bleibt. Im Gegensatz zu DiSo baut die IndieWeb Idee aber nicht auf einem zentralen Framework, CMS oder Blogsystem auf, sondern motiviert jeden selbst aktiv zu werden. Im Vordergrund stehen recht allgemein gehaltene Konzepte und der Slogan eat your own dogfood… Programmiere fĂŒr deine eigene BedĂŒrfnisse und veröffentliche deinen Code, dass auch andere davon profitieren können. Ein paar Konzepte:

  • POSSE (Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere): Veröffentliche alles auf deiner eigenen Seite und verteile es dann ĂŒber die verschiedenen KanĂ€le.
  • Comments: Veröffentliche auch Kommentare auf deiner Webseite und setze den Autor ĂŒber Pingbacks oder Webmentions darĂŒber in Kenntnis.
  • Login: Mit einer Kombination aus rel-me und OAuth (IndieAuth oder RelMeAuth) lassen sich ironischerweise fast mehr Dienste ansprechen als mit OpenID.
  • Web Actions: Ein Ă€hnlicher (wenn auch pragmatischerer) Ansatz wie Web Intents. Share/Like-Buttons sollen sich dem Verhalten des Nutzers anpassen und ihm die Möglichkeiten anbieten die er benötigt, sei es das Teilen ĂŒber Facebook oder eben ĂŒber die eigene Seite.

(weitere „Building Blocks“ findet ihr im Wiki)

Ich mag die Idee schon alleine deshalb, weil sie aktuell Funktioniert und nicht von der Fertigstellung oder EinfĂŒhrung von diversen Protokollen abhĂ€ngig ist (naja fast). So ne Art „Dezentrales Netzwerk fĂŒr Arme“ 😉

Ich selbst versuche seit ein paar Wochen das NotizBlog IndieWeb tauglich zu machen und habe dazu auch ein paar Plugins auf Github veröffentlicht. DemnÀchst kommt aber sicherlich noch eine kleiner Anleitung in Form von einem Blogpost dazu.

Vielleicht hat ja jetzt der ein oder andere Blut geleckt und greift mir bei meinem WordPress Projekt ein wenig unter die Arme 😉

Macht euch unabhÀngig!

(Im Screenguide Magazin Ausgabe 17 gibt es ĂŒbrigens noch eine etwas ausfĂŒhrlichere Beschreibung der einzelnen IndieWeb Building Blocks)

Ich habe in den letzten Monaten eine Menge ĂŒber Web Intents gelesen und ich finde immer noch dass der Webmonkey die Thematik bisher am treffendsten beschrieben hat:

In practice Web Intents work a bit like mailto: links, defining an action and then passing it along to the browser, which allows the user to choose how to handle the action. The difference is that instead of opening a desktop app, Web Intents connect to web services.

Der Vergleich ist simple und ich habe mir die Frage gestellt: Wieso nicht einfach wirklich unterschiedliche Schemes fĂŒr die jeweiligen Anforderungen definieren? Eine App kann beim Browser anmelden dass sie share:// oder subscribe:// unterstĂŒtzt und bei einem Klick auf einen entsprechenden Link, öffnet sich (statt der E-Mail App) eben die entsprechende Web-App.

…vor kurzem hab ich dann mal ein wenig mit Superfeedrs msgboy herumgespielt und entdeckt dass es bei HTML5 wirklich Custom-Schemes gibt die man frei definieren kann!

Mit folgendem Befehl kann man beim Browser einen eigenen Protocol-Handler setzen:

navigator.registerProtocolHandler('web+share', 'http://spread.ly/?url=%s', 'Spread.ly');

Alle neuen Schemes sollten mit „web+“ beginnen, ausnahmen sind schon bestehende Schemes, wie z.B. „mailto„, „mms„, „nntp„, „rtsp“ oder „webcal„.

Der passende a-Tag zum oben genannten Beispiel mĂŒsste also folgendermaßen aussehen:

<a href="web+share:http://pfefferle.org">Share this Page</a>

Klickt ein User den Link, wird einfach das %s vom Handler mit dem href ersetzt und aufgerufen:

http://spread.ly/?url=web+share:http://pfefferle.org

Bisher war ich ja ein großer Web Intents Fan (und bin es auch immer noch), aber fĂŒr solche simplen Aktionen wie „Share“, „Like“, „Subscribe“ oder „Follow“ reicht doch ein simples Custom-Scheme vollkommen aus. Kein unnötiges JavaScript (mal abgesehen vom Registrieren des Handlers), nur ein wenig HTML. Großartig!

Protocol-Handler lassen sich ĂŒbrigens auch abhĂ€ngig vom Mime-Type setzen:

navigator.registerContentHandler('application/atom+xml', 'http://www.google.com/ig/add?feedurl=%s', 'Google Reader')

Bei allen Web-Dokumenten mit dem Mime-Type application/atom+xml sollte der Browser jetzt nachfragen ob er die URL mit dem Google-Reader öffnen soll.

Pfefferles OpenWeb: Web Intents

Seit Freitag ist die zweite Ausgabe des SCREENGUI-Magazins (mit dem Fokus auf E-Payment, CSS4 und Boilerplates) in allen Bahnhofs- oder Flughafen-Buchhandlungen erhÀltlich.

In „Pfefferles OpenWeb“ geht es diesmal um Web Intents:

Seit Webseitenbetreiber das Potenzial von sozialen Netzwerken erkannt haben, nimmt die Anzahl der share, like, bookmark und +1 Buttons stetig zu und entwickelt sich zu einer regelrechten Plage. Jeder Besucher soll die Möglichkeit bekommen, seine Entdeckung schnellstmöglich mit seinen Freunden zu teilen – egal auf welcher Plattform. Um diesem Problem Herr zu werden, arbeitet Google seit ein paar Wochen an einem Framework namens Web Intents.

Viel Spaß beim lesen!