2018 war ein durchwachsenes Jahr!

Mein privates „Ich“ hat letztes Jahr sehr viel Raum eingenommen und auch beruflich hat sich viel verändert.

Das heißt ich hatte generell wenig Zeit für mein online „Ich“ und wenn ich doch etwas Zeit hatte, war das Ergebnis meistens eher frustrierend.

Pfefferles OpenWeb

Bilder von "Pfefferles OpenWeb" Artikeln

Ich habe für das SCREENGUIDE/Webstandards-Magazin in den letzten 10 Jahren 36 mal „Pfefferles OpenWeb“, 3 Artikel, 1 Titelthema und 1 Interview geschrieben! Letztes Jahr musste der Verlag das Magazin aus „wirtschaftlichen Gründen“ leider einstellen und ich hab es nicht einmal geschafft darüber zu schreiben!

notiz.Blog

Und zum Bloggen kam ich, trotz der gewonnenen Zeit auch nicht! Wenn ich dieses Jahr so weiter mache, muss ich mir meinen selbstvergebenen Titel als „Chronist des OpenWebs“ wieder selbst aberkennen!

IndieWeb

Das IndieWeb wächst und das ist prinzipiell auch gut so. Neben den ganzen Nerds und Geeks interessieren sich auch immer mehr Blogger und Journalisten für das Thema. In der Community spricht man von der 2. Generation.

Auch das Interesse an WordPress wächst. Das ist nicht verwunderlich, immerhin geht es um die Berufsgruppe der Schreibenden und deren Seiten werden, mit einer Wahrscheinlichkeit von 30%, mit WordPress betrieben.

Dieses Interesse beißt sich aber leider mit meinen Möglichkeiten. Von Anfang an verfolge ich folgende Grundsätze des IndieWebs:

Scratch Your Own Itches. Make tools, templates, etc. for yourself first, not for all of your friends or ”everyone“.

und:

Use what you make! Whatever you build you should actively use. If you aren’t depending on it, why should anybody else?

Ich baue (mittlerweile) ausschließlich Plugins die ich für sinnvoll erachte und ich baue sie so, dass sie für mich funktionieren. Das mag erstmal egoistisch klingen, es ist für mich aber die einzige Möglichkeit dieses „Hobby“ überhaupt zu betreiben.

Ich verstehe, dass Anwender teilweise überfordert sind, meine Plugins zu benutzen, kann sie aber nicht in dem Umfang optimieren, der nötig wäre. Ideal ist wahrscheinlich ein großes IndieWeb Plugin, welches alle Features bereit stellt und, am besten ohne viel Einstellungen, einfach funktioniert. Aktuell nutze ich 50% aller, vom IndieWeb vorgeschlagenen WordPress Plugins, eine allumfassende Plugin Suite würde dann also nicht mehr meinen Anforderungen entsprechen.

Ich habe aktuell keine Ahnung wie ich aus diesem Dilemma heraus kommen soll. Es gibt Plugins die will ich nicht aus der Hand geben und Plugins die ich an die Community übergeben habe, werden aus Mangel an Entwicklern nicht weiter gepflegt. Aktuell arbeiten maximal 3 Personen (mich inbegriffen) an über 10 unterschiedlichen Plugins.

…und wenn das noch nicht genug wäre, kommt das „Microformats Problem“ noch on top.

Microformats

Microformats2 und WordPress scheinen nicht kompatibel zu sein und das ist schade, immerhin sind Microformats DER Building-Block des IndieWebs. Mehr noch: Microformats sind die API des IndieWebs!

Ich habe in den letzten Jahren viel ausprobiert um das Problem zu lösen, aber es gibt keine generische Möglichkeit, ein WordPress Theme mit Microformats2 auszustatten.

Benutzt man ein Plugin, um über Hooks einige zentrale Elemente (wie z.B. den Titel) Semantisch auszuzeichnen, bekommt man nette Effekte, mit Themes die ihre Ausgabe „escapen“:

After activating the last version (1.1.0) of your plugin on WordPress 4.9.8 with understrap theme my meta entry become : Posted on September 12, 2018 by <span class='p-author h-card'>Author</span> instead of : Posted on September 12, 2018 by Author for fun I look into the code and I think the error is here but since I’m totally not a PHP developer I’ll pass on the potential PR

Versucht man es mit einer Art Microformats Feed, bekommt man Probleme, alle Meta-Daten zu integrieren. Schlimmer noch, man arbeitet gegen einen Grundsatz der Microformats:

Design for humans first, machines second

Zusammengefasst: Microformats gehören ins Theme, es gibt aber keine generische Lösung. Eine generische API ist möglich, widerspricht aber der Microformats-Idee.

Aktuell gibt es drei WordPress Themes die Microformats2 voll unterstützen und um sein Blog wirklich IndieWeb tauglich zu machen, muss man eines dieser drei Themes benutzen oder selber HTML bzw. ein Theme schreiben.

Das ist frustrierend! Außerdem liefen die Diskussionen (meines Erachtens) etwas aus dem Ruder, weshalb ich mich letztes Jahr entschieden habe, mich aus dem Microformats-Thema komplett heraus zu nehmen.

OStatus

OStatus ist das zentrale Protokoll, über das identi.ca, status.net, gnu.social und friendi.ca sprechen. Es ist arsch-alt, funktioniert aber immer noch prächtig!

Ich hab mich wie bolle gefreut als OStatus mit Mastodon wieder frischen Wind bekam, hab mein altes OStatus Plugin ein wenig aufpoliert und wollte gerade freudig darüber berichten, als Eugen Rochko, der Macher hinter Mastodon, einen meiner Bugs, mit folgenden Worten schloss:

Closing on the grounds that OStatus is no longer our primary mechanism and will be deprecated in the future.

Mein vorbereiteter Blogpost hatte den Titel „My Blog is my Social-Network“ und der erste Abschnitt lautete:

Ich habe in den letzte Woche an einem Update für ein WordPress Plugin gearbeitet, das ich seit 6 Jahren nicht angerührt habe… Nicht dass das Plugin an sich nicht mehr funktioniert hätte, aber PHP und WordPress haben sich weiter entwickelt.

Schade!

ActivityPub

Aber dann kam ActivityPub! ActivityPub ist der heiße Shit im Fediverse. So zu sagen OStatus in neu und besser! Was AtomPub für Atom ist, ist ActivityPub für ActivityStreams… und noch ein bisschen mehr.

Ein Schaubild des ActivitPub flows

ActivityPub ist außerdem der erste, vom W3C veröffentlicht, „Standard“ (abhängig davon wie man „Standard“ definiert), der versucht ein dezentrales, soziales Netzwerke zu definieren.

Naiv wie ich bin, dachte ich, ich geb‘ dem Ganzen eine Chance. Die Spezifikation ist relativ simpel und ein „Standard“ ist „wohl definiert“, das heißt es gibt nur einen Weg um ihn zu implementieren!

Das Ergebnis (Trommelwirbel): ein ActivityPub Plugin für WordPress!

War es so einfach wie ich gedacht habe? Natürlich nicht! Es hat natürlich doch wieder jede Plattform seine extra Wurst, aber im Gegensatz zu Microformats2, basiert ActivityPub auf einer „echten“ API und lässt sich somit relativ leicht in WordPress integrieren.

ActivityPub und das Plugin waren definitiv das Highlight des Jahres, immerhin ist WordPress jetzt offiziell ein Teil des Fediverse:

und laut dem „2018 Report“ von fediverse.network sogar auf Platz 8 von 13.

Fazit

Die Arbeit an ActivityPub hat eigentlich Spaß gemacht und ich werde mich wahrscheinlich auch 2019 hauptsächlich mit ActivityPub beschäftigen!

2018 war nicht so dolle, 2019 kann nur besser werden!

11 thoughts on “zwanzigachtzehn

  1. Puh, das liest sich nach mehr Problemen als einem lieb sein kann. Hätte ich so nicht gedacht.

    Für 2019 privat, beruflich und bloggend alles Liebe und Gute!

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  • Chris Aldrich

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