Vor ein paar Wochen kam Marcel Weiß auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm über das Thema „Open Web“ zu podcasten. Die letzte Ausgabe des OpenWeb-Podcasts ist jetzt fast 7 Jahre alt und natürlich freue ich mich wie bolle, wieder mit jemandem über mein Nischen-Thema zu sprechen 😉
Im Ernst, ich freue mich sehr, dass Marcel Interesse an dem Thema hat (und das schon seit einer ganzen Weile) und nach einem kurzen Vorgespräch haben wir auch gemerkt, dass uns der Stoff so bald nicht ausgehen wird!
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Die erste Ausgabe ist eine Bestandsaufnahme der letzten 15 Jahre „Open Web“ und ein kleiner Ausblick auf zukünftige Themen.
In der ersten Ausgabe der neuen Podcastreihe zum Themenkomplex ‚Open Web‘ sprechen Matthias Pfefferle und Marcel Weiß über die Evolution von OpenID, die uns einen Hinweis auf allgemeine Herausforderungen für Protokolle in der heutigen Zeit gibt; Stichwort Extrawürste der großen Teilnehmer, welche zu Balkanisierung führen. Weitere Themen sind die DSGVO und Dataportability, Mastodon, Identi.ca und wie ActivityPub aktuell OStatus als zugrundeliegendes Protokoll für dezentrale Netzwerke ablöst. Wir ordnen die Irrungen von Diaspora ein und reden last not least über die Tragödie der Microformats.
Viel Spaß beim Hören!
‚Hier & Jetzt‘ kann man per RSS-Feedabonnieren und findet man natürlich auch bei Apple Podcasts und in jeder Podcast-App.
Die Art wie wir kommunizieren hat sich verändert. Die Flut an Informationen wird immer größer und wir nehmen uns immer weniger Zeit zum lesen und schreiben. Aus E-Mail wurde Messaging, aus Bloggen wurde Microbloggen und wir nutzen Emojis, Hashtags und andere Abkürzungen um die, so schon kurzen Texte, noch weiter zu „optimieren“.
Das ist prinzipiell auch nichts schlimmes, da sich mit jeder neuen Kommunikationsform in der Regel auch das Medium, mit dem ich es konsumiere, ändert. Messaging-Texte lese ich in Telegram und E-Mails kann ich weiterhin in meiner Mail-App lesen.
Komisch wird es aber, wenn sich Medien vermischen, oder wenn Tools versuchen unterschiedliche Medien zu normalisieren. 2011 versuchte Facebook, beispielsweise E-Mails und Messaging/Chat zu verheiraten und über eine Oberfläche nutzbar zu machen.
There are no subject lines, no cc, no bcc, and you can send a message by hitting the Enter key. We modeled it more closely to chat and reduced the number of things you need to do to send a message.
Aktuell sieht es in meinem Feed-Reader folgendermaßen aus:
Reeder (RSS-Reader) auf dem iPhone
Keine Überschriften, komische Überschriften, nur das Datum oder sogar der ganze Text als Überschrift. Schuld daran ist, die Verschmelzung von Blogging und Microblogging. Oder besser: Die Nutzung eines Feed-Readers um Microblogs zu lesen.
Micro.blog ist ein Microblogging-Dienst, der 2017 über eine Kickstarter-Kampangne finanziert wurde. Micro.blog orientiert sich stark an der IndieWeb Community und unterstützt viele IndieWeb-Protokolle, wie z.B. Webmentions und Micropub. Der Service unterstützt außerdem das abonnieren von klassischen Blogs wie z.B. WordPress über das gute alte RSS Format. Und hier vermischen sich die beiden Themen.
Part of indie microblogging is getting back to the simplicity of title-less posts. When you’re writing a microblog post in WordPress, just leave the title blank, and if necessary update the post template to not include the title in HTML or the RSS feed.
Durch die IndieWeb Community veröffentlichen viele Personen in meinem Umfeld alle Arten von Texten und anderen Medien auf ihren eigenen Webseiten. Ein signifikanter Anteil von ihnen nutzt dafür WordPress und ein Teil davon wiederum meine Themes. Das heißt ich bin letztendlich sogar dreifach von diesem „Trend“ betroffen: als Konsument, als Entwickler und als Publisher.
Ich verstehe den Ansatz, den Micro.blog verfolgt durchaus:
You may find that some feed readers don’t gracefully handle posts without titles, often inserting “Untitled” for the title because they expect something to be there. If you see this, the best solution is to email the developer and ask for them to address it. Working around the issue with fake titles — dates, numbers, or portions of the text — will only ensure that client developers never improve their apps to handle title-less posts.
Apple macht es ganz ähnlich, wenn sie bei neuen iPhones die Kopfhörer-Buchse weg lassen oder bei Laptops nur noch USB-C Anschlüsse verbauen. Man könnte argumentieren, dass es der einzige Weg sei um den Fortschritt voran zu treiben, aber ich bin von den Änderungen meistens eher genervt! Ich bin nämlich derjenige der wieder neue Kopfhörer und einen &%$?§ voll Adapter braucht.
Ein ähnliches Gefühl habe ich gerade bei Microblogging über WordPress und Micro.blog. Nicht die RSS-Reader werden gezwungen sich anzupassen, sondern ich muss schauen, wie ich meine Lese- bzw. Schreibgewohnheiten verändere. Ich „muss“ mein Theme anpassen, ich „muss“ meine Schreibgewohnheiten anpassen und ich „muss“ schauen wie ich meinen Feed-Reader wieder „sauber“ bekomme.
Ich würde mir wünschen wenn Micro.blog nicht so restriktiv mit dem Interpretieren von RSS wäre und wenn es einen fließenderen Übergang gäbe.
Ich würde mich freuen, wenn ich weiterhin Titel schreiben dürfte, denn Titel sind gut für den Feed-Reader, für die sprechenden Permalinks oder einfach nur damit ich meine Artikel über die WordPress Oberfläche schneller wieder finde.
Ich würde mir wünschen, dass Micro.blog einfach immer den Text oder die Summary nutzen würde und den Titel nur als Fallback. Von mir aus auch abhängig vom Post-Type.
Aktuell gibt es für mich aber nur zwei Möglichkeiten:
Ich lasse den Titel weg -> Micro.blog zeigt den vollen Text an und im Feed-Reader sieht’s scheiße aus
Ich schreibe einen Titel -> Micro.blog zeigt nur den Titel an, aber im Feed-Reader siehts gut aus
Es gibt natürlich auch noch andere Lösungen, aber die sind immer mit Arbeit verbunden: HTTP Agent auslesen und nur für Micro.blog den Titel ausblenden, extra Feed für Micro.blog, …
Am Schluss ist Micro.blog aber nur exemplarisch für eine generelle Entwicklung in der IndieWeb Community.
If I look at my wall, my timeline, or any other stream, it’s a mess which I’m not proud of. It’s a never-ending scroll of things, without structure, without separating the less important from the more important, without me, without focus. “regaining focus” is becoming much of a buzzterm but there is truth behind it.
Wahrscheinlich sind es nicht die fehlenden Titel die mich aufregen, sondern die Flut an unstrukturierten, zusammenhanglosen Microblogposts, die ich eigentlich gar nicht in meinem Feed-Reader haben will.
Das ganze ist jetzt zwar schon eine ganze Weile her, ich hab aber trotzdem das Bedürfnis noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen…
Vor 10 Jahren schrieb ich meinen ersten Print-Artikel für die erste Ausgabe des Magazins, damals noch Webstandards-Magazin. Seit dem war ich in jeder Ausgabe (naja, eine hab‘ ich ausgelassen) mit mindestens einem Artikel vertreten.
In meinem ersten Artikel vom Februar 2009 hab ich versucht den Mehrwert von Microformats zu beschreiben. Die Webstandards-Redaktion hat mir den Einstieg ins Schreiben dabei sehr einfach gemacht. Ansgar Hein (Chefredakteur) und Sylvia Egger (Redakteurin) waren tolle, freundliche Antreiber und Lektoren, das Thema war absolute Komfort-Zone und mit Michael Jendrischik (Autor) hatte ich einen erfahrenen Sparringspartner.
Michael Jendryschik schrieb über RDFa und ich über Microformats (Semantic Surfing) und da beide Themen sehr nah beieinander lagen, haben wir uns viel ausgetauscht. Das half mir zum Einen beim schreiben und zum Anderen hatten wir so die Möglichkeit den jeweils anderen Artikel zu referenzieren. Dadurch entstand eine Art „printed Hyperlinking“!
Ansgar Hein hat das Ergebnis in einer Folge des Technikwürze Podcasts folgendermaßen beschrieben:
Technikwürze 136: Ansgar Hein und David Maciejewski sprechen über beide Artikel
Auch wenn er nicht gleich auf meinen Namen kam 🙂
Danke Sylvia, dass du mich damals angeschrieben hast!
IndieWeb – Die Daten sind wir!
Es freut mich immernoch sehr, dass das SCREENGUIDE Magazin im Allgemeinen, und Nicolai (Projektleiter) im Speziellen, der IndieWeb Idee so viel Platz eingeräumt haben!
Das IndieWeb war damals (2015) wie heute eher ein Nischen-Thema und trotzdem hat das Magazin eine Titel-Story daraus gemacht. Mit mehr als 7 Seiten war der Artikel auch mit Abstand der längste den ich bisher für ein Print-Magazin geschrieben habe.
Kurz nach der Veröffentlichung kam übrigens auch ein Schwester-Magazin auf mich zu, ob ich den Artikel nicht auf 2 Seiten zusammenfassen könne und so hat sogar das eher antiquierte PC-Magazin über das IndieWeb berichtet 🙂
Websemantics
Fast genau 8 Jahre nach dem ersten Artikel durfte ich 2017 noch einmal über Websemantics schreiben. Im Gegensatz zu Semantic Surfing, wo es ausschließlich um Microformats ging, gibt Websemantics eher einen groben Überblick, in dem aber auch Microformats ihren „Auftritt“ hatten.
Hätte ich das damals gewusst, dass mein erster und letzter Artikel das gleiche Thema behandeln, hätte ich es natürlich in den Text einfließen lassen 🙂
Webstandards Würze / Pfefferles OpenWeb
Dank Sylvia Egger (und wahrscheinlich dem OpenWebPodcast) durfte ich seit 2009 die Kolumne Pfefferles OpenWeb schreiben, in der ich einmal im Quartal über die Neuigkeiten im OpenWeb berichtete.
Danke hier auch nochmal an Ansgar Hein, Jörg Morsbach (Redakteur) und Nicolai Schwarz, dass ich die Kolumne so lange schreiben durfte und das nahezu ohne jegliche Vorgaben oder Einschränkungen.
Ich habe die letzten 10 Jahre lang, jedes Quartal über OpenID, OAuth, Microformats, IndieWeb, OpenWeb, W3C, Fediverse, OStatus, RDFa, HTML5, OpenGraph, Facebook, DSGVO, BrowserID, DataPortability, Open Social, Diaspora, DiSo, Microblogging, Websemantics, Twitter Cards, Schema.org, Microdata, Single-Sign-on, AMP, OEmbed, Ind.ie, Google, Twitter, Blogs, Ello, WhatsApp, RSS, Webmentions, Pingbacks, App.net, Synaptic Web, Online Identity, Persona, Mozilla, Open Stack und Portable Contacts berichtet.
Das heißt, ich hab über/durch/mit Pfefferles OpenWeb eine ganze Menge gelernt. Das schwierigste war das Schreiben an sich, dazu kam dann noch der Anspruch immer neue und vor allem aktuelle Themen zu behandeln.
Es freut mich, dass ich damit auch nicht immer ganz falsch lag:
David Shanske und Chris Aldrich hosten seit ein paar Monaten einen ganz charmanten IndieWeb Podcast. David hat bei so ziemlich jedem IndieWeb-WordPress-Plugin mit gearbeitet und übernimmt die Rolle des „Erklärers“ und Chris ist Poweruser und versucht den Podcast zu moderieren und die Komplexität etwas heraus zu nehmen.
In den letzten Wochen bin ich über ein paar tolle Artikel über das Bloggen und über RSS gestolpert… Vielleicht kommt bloggen ja doch wieder in Mode und dann kann ich endlich auch mal sagen: Ich hab schon gebloggt bevor es hip war! Ich habe schon gebloggt, als es vor Jahren mal hip war, dann wieder nicht und jetzt wieder!
René Walter hat es auf seinem Blog (nerdcore.de) wunderschön auf den Punkt gebracht:
Das Problem waren schon immer und sind immer noch überfüllte Plattformen, auf denen sich die Menschen zu dicht gedrängelt um Aufmerksamkeit streiten. Lieber wieder Piratenschiffe bauen, eine Trillionbillion davon, alle anders, alle gleich.
[…] if you think of the years 1995-2005, you remember when the web was our social network: blogs, comments on blogs, feed readers, and services such as Flickr, Technorati, and BlogBridge to glue things together. Those were great years […]
Irgendwann letzte oder vorletzte Woche ist die Überschrift "OpenID Connect Federation 1.0 – draft XX" in meinem Feed-Reeder aufgetaucht und auf Buzz-Words wie Federation o. Ä. springe ich natürlich immer noch sofort auf!
Eigentlich dachte ich, dass OpenID Connect durch OAuth 2 super simpel sein soll… Immerhin basiert ja OAuth 2 auf SSL/TLS und nicht wie OAuth 1 auf komplizierte Signaturen.
The majority of failed OAuth 1.0 implementation attempts are caused by the complexity of the cryptographic requirements of the specification. The fact that the original specification was poorly written didn’t help, but even with the newly published RFC 5849, OAuth 1.0 is still not trivial to use on the client side. The convenient and ease offered by simply using passwords is sorely missing in OAuth.
Die OpenID Foundation scheint ihre Meinung geändert zu haben… SSL scheint wohl doch nicht auszureichen.
Another problem that has been raised is the dependency on TLS as the sole protection against attacks on the transferred information. These last couple of years a number of problems with OpenSSL, which is probably the most widely used TLS library, have been discovered that put reasonable doubt into this dependency.
Wer eine wirkliche Alternative zu OpenID Connect sucht, der soll sich mal IndieAuth anschauen. IndieAuth kommt der ursprünglichen Idee von OpenID Connect sehr nahe und ist relativ einfach zu verstehen und auch zu implementieren!
Zu Zeiten von Pingbacks, antwortete man noch mit Blog-Posts auf Blog-Posts, aber es fehlte die Technik um sie richtig zu übermitteln und darzustellen:
[…] und Wertvorstellungen entspricht und nicht von der Mehrheit meiner Freunde abhängig sein.» Dezentrale Walled Gardens Hier erscheinen von Montag bis Freitag ausgewählte Links zu lesenswerten Texten und aktuellen […]
Mit Webmentions und Microformats2 hat sich zwar die Darstellung verbessert, aber die Texte… naja… haben sich „verändert“:
#100DoPP d84:
Both #AS2 & #Micropub are @W3C PRs!
Congrats @SocialWebWG @jasnell @evanpro @aaronpk!
https://www.w3.org/TR/micropub
https://www.w3.org/TR/activitystreams-core/
https://www.w3.org/TR/activitystreams-vocabulary
Ich durfte mal wieder einen etwas längeren Artikel für das aktuelle SCREENGUIDE Magazin (Ausgabe 34) schreiben. Thema des Artikels sind Websemantics:
Websemantics sind fast 17 Jahre alt, und es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie sich wirklich etabliert haben. Aktuell gibt es eine Reihe von Formaten, etwa OpenGraph, Twitter Cards, Schema.org, Microformats, RDFa und Microdata. Wir sagen Ihnen, auf welche Formate Sie sich konzentrieren sollten.
Websemantiken, genauer gesagt Microformats, haben vor einer halben Ewigkeit mein Interesse für offene Standards geweckt und deshalb hab ich mich sehr gefreut, mich wieder etwas ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen. Außerdem habe ich vor fast genau 8 Jahren meinen ersten Artikel über ein ganz ähnliches Thema geschrieben 🙂
Microformats erfreuen sich mittlerweile einer großen Verbreitung, alleine die Yahoo! Suche hat mehr als 4 Milliarden der verschiedensten Formate indiziert und die Zahl wächst stetig. Trotz dieser scheinbar großen Verbreitung und der Unterstützung verschiedenster Browser erreicht das Thema „Semantic HTML“ noch immer nicht die breite Masse. Dieser Artikel beschreibt die Probleme bisheriger Browserunterstützungen und vorhandene Alternativen.
Neben dem Websemantics Artikel, gibt es auch wieder eine Kolumne, diesmal über Micro.blog:
Facebook ist jetzt knapp 13 Jahre alt, und so mancher hat mittlerweile sein halbes Leben auf der Plattform dokumentiert. Je länger Facebook besteht, umso mehr binden wir uns an den Dienst. Deshalb gibt es immer wieder Ideen und Plattformen, um sich unabhängiger zu machen – wie etwa das neue Micro.blog, das gerade via Crowdfunding finanziert wurde.
Falls ich noch einmal zwei Artikel für eine Ausgabe schreiben sollte, sollte ich mir die Einleitungen der beiden Texte etwas genauer ansehen 😉