Screenshot von amp.dev

Google hat aktuell eine Klage am Hals. Der Konzern soll AMP genutzt haben, um sein eigenes Werbenetzwerk gegenüber der Konkurrenz zu bevorzugen.

Google soll sein Format AMP (Accelerated Mobile Pages) zur Webseiten-Beschleunigung nur eingeführt haben, um die Verleger dazu zu bewegen, letztlich mehr Geld im Google-internen Werbenetzwerk auszugeben. Das ist einer der Vorwürfe von zwölf US-Bundesstaaten, die kürzlich Klage gegen den US-Konzern eingereicht haben.

Kartellklage: Google soll AMP für Wettbewerbsvorteile eingeführt haben (heise online)

Leider ist das nur einer von vielen Kritikpunkten an AMP, toppt in meinen Augen aber alle Bisherigen um längen!

Ich möchte aber gar nicht zu sehr auf die Fälle eingehen, weil sie schon zu Genüge thematisiert wurden. Was mich dagegen triggert, ist die ständige Erwähnung von „Open Web“ im Kontext von AMP, speziell auch im WordPress Umfeld!

Screenshot von amp.dev

Sarah Gooding hat auf WP Tavern einen sehr lesenswerten Artikel zu dem AMP Skandal veröffentlicht, in dem sie auch auf die Rolle von WordPress bzw. Automattic eingeht: AMP Has Irreparably Damaged Publishers’ Trust in Google-led Initiatives.

In dem Abschnitt „Automattic Denies Prior Knowledge of Google Throttling Non-Amp Ads“ schreibt sie:

In 2016, Automattic, one of the most influential companies in the WordPress ecosystem, partnered with Google to promote AMP as an early adopter. WordPress.com added AMP support and Automattic built the first versions of the AMP plugin for self-hosted WordPress sites. The company has played a significant role in driving AMP adoption forward, giving it an entrance into the WordPress ecosystem.

Auf eine Nachfrage bei Automattic, bekommt sie folgende Antwort:

As part of our mission to make the web a better place, we are always testing new technologies including AMP

Auf die konkrete Frage, ob sie von der Wettbewerbsverzerrung wussten, antwortet Automattic mit:

We chose to partner with Google because we believed that we had a shared vision of advancing the open web. Additionally, we wanted to offer the benefit of the latest technology to WordPress users and publishers including AMP.

Da steht tatsächlich „we believed that we had a shared vision of advancing the open web„!

Selbst nach all der Kritik an einem proprietäres Format, einem subset von HTML5, welches die Nutzung von JavaScript limitiert, Webseiten-Betreibern aufgezwungen wurde, damit sie ihren Page-Rank behalten/verbessern, um ihnen dann die Besucher durch ein heftiges Caching der AMP Seiten abzugraben, um sich dann wohl auch noch einen Wettbewerbsvorteil im Bereich der Werbung zu sichern, sprechen Automattic und Google von „Open Web„?!?!

Warum mich das triggert?

Ich investiere jetzt knapp 15 Jahre meiner Freizeit in wirkliche „Open Web“ Plugins für WordPress, welche seit Jahren unbeachtet oder als „maybe later“ gekennzeichnet im Trac vor sich hin siechen, aber insgeheim hatte ich trotzdem die Hoffnung, dass vielleicht Google oder Automattic irgendwann Interesse zeigen könnten, wenn ihnen das Thema „Open Web“ (und WordPress) anscheinend doch so wichtig ist…

Wenn jetzt aber AMP der Maßstab für „Open Web“ ist, dann sehe ich schwarz für Webmentions oder ActivityPub.

App.net hat endlich alles nachgereicht was Dalton Caldwell vor fast genau einem Jahr versprochen hat. Die Liste kann sich echt sehen lassen:

Mal schauen was sich damit alles basteln lässt, immerhin hab ich im SCREENGUIDE-Magazin (Ausgabe 18) noch groß getönt:

Mit ein paar wenigen Änderungen und dem Support von z. B. Microformats, RSS/Pubsubhubbub, AtomPub oder Pingbacks, wäre App.net kompatibel zu fast allen Blogs oder IndieWeb-Systemen. Das hätte zum Vorteil, dass sich App.net ohne weitere Anpassungen über RSS-Reader konsumieren und über Blogging-Tools befüllen ließe. Außerdem könnten Posts und Kommentare zwischen App.net und z.B. WordPress ausgetauscht werden, ohne auf komplizierte, dezentrale Protokolle im Sinne von Diaspora oder Tent.io zurückgreifen zu müssen.

😉

via Carsten Pötter

…und das Open Web kennt mindestens genau so viele Wörter für „Name“!

Ich hab mir letzte Woche mal den aktuellen Draft von OpenID Connect angeschaut und mich riesig gefreut, dass die OpenID-Community ihrer Linie treu bleibt und dem User-Schema wieder komplett neue Bezeichnungen gibt. Aber das scheint ein genereller Spaß in OpenWeb-Kreisen zu sein. Ich hab mir mal einen Spaß d’raus gemacht einzelne Bezeichnungen verschiedener „Standards“ die mit Profil/User-Infos zu tun haben, zu vergleichen.

Claims für den kompletten „Namen“ eines Users:

  • fn (vCard, hCard)
  • name (foaf, OpenID Connect, Facebook Connect, schema.org)
  • fullname (OpenID SREG)
  • namePerson (OpenID AX)
  • displayName (Portable Contacts, Open Social, Activity Streams)

Claims für den „Nachnamen“ eines Users:

  • given name (vCard)
  • given-name (hCard)
  • lastName (foaf)
  • family_name (OpenID Connect, Facebook Connect)
  • namePerson/last (OpenID AX)
  • givenName (Portable Contact, Open Social)

Gut dass wir das W3C, die WHATWG, die IETF und diverse ander Standard-Organisationen haben die in jahrelanger Arbeit, Standards wie RDF, XML, JSON, RDFa und Microdata spezifizieren und dann jeder, wie er gerade bock hat, ein Schema dafür baut 😀

Schema.org und das Open Graph Protocol sind perfekte Beispiele dafür, wie man gekonnt bestehene Schemas ignoriert und einfach macht, wie man denkt!

P.S. Ich weiß dass man die Bezeichnung „Eskimo“ eigentlich nicht mehr benutzt und wehe mir nimmt jemand den Mythos mit den 90 Wörtern für Schnee 😉

…darum geht es in der OpenWeb Kolumne des aktuellen Webstandards-Magazins (seit gestern (18.12.2010) im Fachhandel). Hier ein kleiner Auszug:

DataPortability war das Thema in 2008, 2009 wurde der Begriff OpenWeb geprägt und nun dreht sich alles um das Federated Social Web.

Chris Messina nennt es Distributed Social Network (kurz DiSo), bei Khris Loux heißt es SynapticWeb, Chris Saad bevorzugt das Interoperable Web und Evan Prodromou führt jetzt noch einen weiteren Begriff ein: „Federated Social Web“. Aber wo liegen die Unterschiede?

Würde mich sehr über euer Feedback freuen!

…man kann sich übrigens gerade alle alten Ausgaben des Magazins für lau runterladen… es kosten nur einen Tweet!

Als Erstes mal ein frohes, neues Jahr euch allen… Ich hoffe ihr habt die Feiertage gut überstanden 🙂

Es war die letzten Monate ja etwas ruhiger hier, aber das soll sich jetzt wieder ändern (erster guter Vorsatz fürs neue Jahr!).

Resumé

Microformats

So, jetzt aber erstmal ein kleiner Rückblick auf 2009… ich hatte mir ja vorgenommen mich wieder etwas mehr mit Microformats und dem lowercase semantic web zu beschäftigen. Das hat, glaube ich, ganz gut hin gehauen:

… wenn ich euch eine Empfehlung geben dürfte:

Microformats Top: Ich bin seit Ende letzten Jahres ein stolzer Microformateer 🙂
Microformats Flop: Das Angekündigte „The weekly microformat“ ging total in die Hose und ich habe nicht mal einen Artikel dazu veröffentlicht 🙁 (vielleicht klappt’s ja dieses Jahr)

APML

APML kam letztes Jahr leider nicht so gut weg, es gibt zwar einen OpenWeb-Podcast zu dem Thema und eine erste Version von NoisePress (leider noch keinen Blogpost) aber das war es auch schon.

Vorsatz für 2010

Was ich dieses Jahr so alles vor habe:

  • Bei APML tut sich gerade wieder eine ganze Menge und die neue Version (1.0) wird nochmal komplett überarbeitet. Ich habe mir vorgenommen ein wenig bei der Weiterentwicklung von APML zu helfen und das NoisePress mal zu Ende zu führen.
  • Ich hoffe auch in 2010 die OpenWeb Kolumne für das Webstandards-Magazin weiter führen zu dürfen (die nächste Ausgabe ist zumindest schon gesichert 😉 ).
  • Neue, offene Standards die ich ganz spannend finde und mit denen ich mich dieses Jahr sicherlich etwas mehr beschäftigen werde, sind das Salmon Protokoll, Webfinger, XRD und OAuth WRAP.

Außerdem natürlich fleißig weiter OpenWeb podcasten und alle erwähnten offenen Standards in yiid einbauen 😉