HTML5 Semantics BadgeBeim „basteln“ an SemPress, meinem ersten WordPress Theme, habe ich das erste Mal praktische Erfahrungen mit Schema.org gesammelt und mir sind vor allem zwei Dinge klar geworden: 1. Warum Schema.org nach einer Art „Vererbungs“-Prinzip aufgebaut ist und 2. Wie Google mit Schema.org umgeht.

The http://schema.org/Thing

Das „einfachste“ Schema ist ein „Thing“ und hat folgende Attribute:

description TEXT A short description of the item.
image URL URL of an image of the item.
name TEXT The name of the item.
url URL URL of the item.

Da alle anderen Objekte auf dem „Thing“ aufbauen, kann man davon ausgehen dass man mind. auf diese vier Eigenschaften zugreifen kann und genau das ist der ganze Sinn hinter dieser Struktur.

Vor allem Google setzt massiv auf Schema.org, sei es beim Einsatz in der Suche (über die sogenannten Rich-Snippets)…

rich snippets example

…oder beim Anreichern der, über Google+ oder den +1 Button geteilten Links.

Google+ Example

Um das Parsen der Webseiten (zumindest für diese eher einfachen Ausgaben) auf ein Minimum zu reduzieren, ist die Grundstruktur immer gleich und alles darüber hinaus ist reine Kür. Wahrscheinlich werden aber 90% aller Anwendungen mit Titel (name), Beschreibung, Bild und URL auskommen.

Googles Umgang mit Schema.org

Wer seine Seite mit Schema.org auszeichnen möchte, sollte vor allem eines Beachten: Google+ (wahrscheinlich aber auch alle anderen Google Produkte) interpretiert immer das erste im Quellcode verwendete Schema!

Bei meiner ersten Implementierung von Schema.org habe ich mich etwas zu sehr an RSS bzw. Atom orientiert und folgenden Aufbau gewählt: Ein umschließendes Objekt um den Blog zu beschreiben und ein oder mehrere referenzierte Artikel.

<body itemscope itemtype="http://schema.org/Blog">
...
  <header id="branding" role="banner">
    <hgroup>
      <h1 id="site-title" itemprop="name"><?php bloginfo( 'name' ); ?></h1>
      <h2 id="site-description" itemprop="description"><?php bloginfo( 'description' ); ?></h2>
    </hgroup>
  </header>
...
  <article itemprop="blogPost" itemscope itemtype="http://schema.org/BlogPosting">
  ...
  </article>
  <article itemprop="blogPost" itemscope itemtype="http://schema.org/BlogPosting">
  ...
  </article>
...
</body>

Egal ob es jetzt um mehrere Artikel (Startseite) oder nur einen Artikel (Post oder Page) gehandelt hat.

Das hat bei Google+ dazu geführt, dass die notizBlog-Links immer mit dem Titel, der Beschreibung und dem Bild des Blogs und nicht mit denen des Artikels verknüpft wurden. Es ist also gerade für Blogs wichtig, dass das Blog-Schema nur auf den Übersichtsseiten benutzt wird und die Einzelansichten lediglich mit „http://schema.org/BlogPosting“ bzw. „http://schema.org/WebPage“ ausgezeichnet werden.

W3C Community Logo(Kleiner Nachtrag zu der „OAuth ist tot“ Kolumne in der SCREENGUIDE Ausgabe 15 um zu zeigen, warum gerade das W3C auch für Community Formate durchaus nützlich sein kann)

Vor ein paar Wochen kam eine E-Mail mit der Bitte, an einer Umfrage zu den W3C Community and Business Groups teilzunehmen und das hat mich daran erinnert, dass ich mich bisher noch gar nicht zu dem Thema geäußert habe… das hole ich hiermit kurz nach!

Ich beschäftige mich ja jetzt schon eine ganze Weile mit dem Web und seinen diversen Formaten, Standards, Techniken, Spezifikationen usw. usf. Leider ist das Web aber ziemlich vergänglich und eine Menge guter Ideen und Formate sind, aus Mangel an Interesse, mangelndem Durchhaltevermögen, nicht genug Ruhm oder einfach nur aus kurzfristigen „Publicity“ Interessen wieder spurlos verschwunden.

Hier ein paar Beispiele:

  • MicroID – Ein simples Format um das leidige Thema „Webseite verifizieren“ zu vereinheitlichen. Domain nicht mehr erreichbar!
  • POSHFormats – POSHFormats wollte alle Websemantiken sammeln die es leider nicht zu einem Microformat geschafft haben. Domain nicht mehr erreichbar!
  • MicroJSON – Ein Projekt welches sich mit der JSON-Serialisierung von Microformats beschäftigt hat. Zum Glück hat die Diskussion einen Weg ins Microformats-Wiki gefunden. Domain nicht mehr erreichbar!
  • Portability Policy – Das DataPortability Vorzeige-Projekt wollte eine vereinheitlichte Policy für die Portability von Daten schaffen. Domain nicht mehr erreichbar!
  • Microsyntax – Eine Sammlung von Microblogging Syntaxen wie z.B. das „@username“ oder „RT“. Domain nicht mehr erreichbar!
  • AXSchema.org – Die Seite wollte die Attribute für OpenIDs Attribute Exchange sammeln. Domain nicht mehr erreichbar!
  • Monkeyformats.org – Eine etwas schräge Idee, Webseiten per Greasemonkey-Scripts mit Microformats zu versehen um sie dann mit Microformats-Plugins interpretieren zu können. Alleine wegen dem Namen aber schon großartig :(|)! Domain nicht mehr erreichbar!
  • Bioformats – Mikroformate um biologische Daten abzubilden. Domain wurde verkauft!

…um nur einige zu nennen. Ob jetzt alle Projekte gut waren, darüber lässt sich streiten, aber es ist auf alle Fälle schade dass sie mittlerweile gar nicht mehr erreichbar sind. Viele Ideen waren vielleicht zu früh gedacht oder das Problem, das sie versuchten zu beheben, war einfach noch nicht groß genug. Oftmals braucht es vielleicht einfach nur ein wenig mehr Zeit! Lange Rede, kurzer Sinn: Die W3C Communities bieten genau für diese Community Formate die ideale Plattform:

A W3C Community Group is an open forum, without fees, where Web developers and other stakeholders develop specifications, hold discussions, develop test suites, and connect with W3C’s international community of Web experts. Community Groups may produce Specifications; these are not standards-track documents but may become input to the standards process. For instance, a Community Group might gather to work on a new technical specification, or convene to have discussions about a tutorial for an existing specification.
W3C FAQ

Auch wenn aus den Formaten kein „Standard“ werden sollte, so sind sie beim W3C doch besser aufgehoben und HOFFENTLICH auch für längere Zeit erreichbar! Gerade Junge Projekte wie „Unhosted Web“ oder „Federated Social Web“ scheinen die W3C Communities gut anzunehmen und auch Facebook forciert eine „Mobile Web“ Gruppe (die jetzt vielleicht nicht mehr so aktiv betrieben wird ;)).

Vielleicht macht sich jemand ja mal die Mühe und zieht zumindest die MicroID und die Portability Policy um!

oauthdead
(das Bild hab ich mir von hueniverse.com ausgeliehen)

Am Freitag (also morgen) gibt’s mal wieder ’ne neue SCREENGUIDE mit dem Fokus auf „Social Commerce“… In meiner Kolumne geht es diesmal um OAuth und das Dilemma dass offene Standards, wenn sie einmal vom W3C oder der IETF betreut werden, zu wahren Monstern mutieren.

Open Web Technologien können sich bald nur noch die Googles, Microsofts, Yahoos und Facebooks des Internets leisten! OpenID Connect mutiert von einem simplen Konzept zu einer 8 Dokumente schweren Spezifikation, RDFa ist so kompliziert, dass es einer “light” Version bedarf und Eran Hammer legt sein Amt als Editor von OAuth 2.0 nieder, da ihm der Standard zu „Enterprise“-lastig wird.

KAUFEN! LESEN! FEEDBACK GEBEN!

Eigentlich wollte ich ja nur einen Toolbox Fork erstellen und das Theme um Microdata/Schema.org erweitern und dann hat es doch so viel Spaß gemacht, dass ein eigenes Theme daraus wurde… Ich präsentiere euch SemPress, das hoch semantische HTML5 Theme mit ner Prise Responsiveness und SEO 🙂

Das Theme verschönert übrigens das notizBlog und ist aus folgenden Gründen großartig:

POSH – Plain Old Semantic HTML5

HTML5 LogoSemPress basiert, wie schon erwähnt, auf Toolbox und die HTML5 Struktur wurde auch weitestgehend beibehalten. Ich habe lediglich einige Tags in (meiner Meinung nach) semantisch passendere getauscht. Im Detail:

  • Semantische Tags – Ich habe einfach mal geschaut welche Tags Toolbox noch nicht unterstützt und sie dann, hoffentlich richtig eingebaut :).
  • HTML5 Input-Types – SemPress unterstützt einige der neuen Input-Types wie z.B. „search“, „email“ und „url“. Mehr dazu in einem älteren Artikel.

Websemantics

Eigentlich hab ich das ganze Projekt (wie schon erwähnt) ja nur gestartet, damit ich mal wieder was produktives mit Microformats machen und Schema.org lernen kann. Hier also der Semantic Overload:

  • Microformats – Toolbox selbst unterstütz Microformats ja schon von Haus aus und ich musste nur kleine hAtom fixes und die richtigen Profile Header setzen.
  • Microformats v2 – Ich bin zwar kein großer Fan von Microformats 2, aber ich wollte testen wie leicht sich das Theme um neues HTML-Classes erweitern lässt und wie viel Arbeit es bedeutet. SemPress unterstützt hCard 2 und hAtom 2.
  • Microdata/Schema.org – Ähnlich wie bei Microformats v2 wollte ich testen wie schwer es ist, Schema.org einzubauen. Das Theme unterstützt http://schema.org/Blog, http://schema.org/BlogPosting and http://schema.org/Person.

Was ich noch gerne einbauen will ist hMedia für alle möglichen Medieninhalte wie z.B. auch WordPress „Images“ und „Galleries“ und natürlich auch das Schema.org Pendant.

WordPress Features

Neben dem ganzen semantik Gedöns, hab ich natürlich auch ne Menge WordPress-Features eingebaut.

  • Post Thumbnails – SemPress unterstützt diverse Post-Thumbnail Größen (maximal 600px) und versucht sie bestmöglich darzustellen. Alle Bilder kleiner als 480px werden z.B. mit float right in den Text integriert.
  • Post Types – Im Gegensatz zu Toolbox unterstützt SemPress folgende Post-Types: „aside, status, gallery, video, audio, link, image“ und fast alle haben auch ein individuelles Layout spendiert bekommen.
  • …außerdem: Localization, Sidebar-Widgets und die WordPress‘ Navigation Menu.

Mal schauen ob ich noch ein Custom-Header-Image mit rein nehmen werde…

CSS und Design

Zuerst sollte SemPress gar kein Design bekommen, aber man muss ja auch bei CSS und Fonts auf dem Laufenden bleiben! Ich mach das ja schließlich nicht zum Spaß sondern zur Fortbildung :). Da ich aber kein wirklich großer Designer bin, hab ich mir ne Menge Ideen und CSS bei folgenden großartigen Projekten ausgeliehen:

  • Das Basis-CSS hab‘ ich von Toolbox übernommen.
  • Die Tabellen, Buttons, Input-Felder, Code-Boxen habe ich mir bei Twitters Bootstrap gemopst.
  • Die Icons, die vor einigen Artikeln erscheinen (z.B. die vom Typ Video oder Audio) sind von von Font Awesome.
  • Danke auch an HTML5 Boilerplate für einige Ideen!

Ein paar weitere Kleinigkeiten (auf die ich auch bissle Stolz bin):

  • Man kann den bei dem <code />-Tag die Programmiersprache mir data-programming-language="PHP" setzen und es wird wie folgend angezeigt:
    <?php echo "Hallo Welt"; ?>
  • Das Theme kommt komplett ohne Bilder aus.

Responsive Design

Das Theme sollte eigentlich und hoffentlich auf jedem Gerät gut aussehen und unterstützt drei++ Breiten:

  • Volle Breite + Sidebar rechts
  • Volle Breite + Zweispaltige Sidebar am Ende der Seite
  • Variable Breite (die, für das Gerät beste Breite mit einem) + Einspaltige Sidebar am Ende der Seite.

Außerdem passt sich das Menü automatisch an die Größen an und das ganz ohne JavaScript! …beim Drop-Down Menü gibt es zwar noch keine Möglichkeit das Menü wieder zu schließen, aber wer will das schon 😉

Was jetzt noch?

Da mir das themen ne Menge Spaß gemacht hat werde ich wohl auch weiterhin fleißig an SemPress weiter basteln und es noch semantischer und WordPressiger machen. Falls ihr irgendwelche Fehler findet oder Dinge besser könnt wie ich… bitte helft mir und forkt SemPress!